RECHENSCHWÄCHE

Rechenschwäche, häufig auch als Dyskalkulie bezeichnet, ist allgemein formuliert die Schwierigkeit, mit Mengen zu operieren.

Für Sie als Eltern ist jedoch weniger die wissenschaftliche Definition bedeutsam als viel mehr die Frage, woran erkenne ich, ob mein Kind unter einer Rechenstörung leidet. Dabei gibt es sehr viele unterschiedliche Ausprägungen, die sich bei jedem Kind ganz individuell zeigen.

Besonders wichtig ist mir an dieser Stelle deutlich zu sagen, dass Dyskalkulie eine Teilleistungsstörung ist. Das heißt, es hat weder mit einer Intelligenzminderung zu tun noch mit einer unheilbaren Krankheit. Weltweit sind fünf bis sieben Prozent der SchülerInnen davon betroffen. Das klingt wenig, bedeutet jedoch, dass statistisch in jeder Klasse mindestens ein Kind von einer Teilleistungsstörung betroffen ist. Tendenz steigend.

Erste Indizien für eine Rechenstörung sind, wenn Ihr Kind beispielsweise auch in der zweiten Klasse noch zählend rechnet, bei Aufgaben im Zahlenbereich 20 die Finger benutzt. Vielleicht kommt Ihnen bei den Hausaufgaben manchmal der Gedanke "Das ist doch ganz einfach, warum versteht sie/er das nicht?". Die größten Schwierigkeiten stellen für Kinder mit Teilleistungsstörungen Rechenverfahren über den Zehner dar, vor allem im Bereich der Subtraktion. Eine Bsp.aufgabe: 23 - 8. Schnelles Kopfrechnen ist meist nicht möglich, da die Gedächtnisleistung des betroffenen Kindes enorm hoch ist. 

Vielleicht haben Sie auch den Eindruck, dass Dinge, die Ihr Kind bereits konnte, plötzlich wie weggeblasen sind und Sie nicht verstehen, warum. Oder Ihr Kind kann nicht erklären, was die Aufgaben 4+4 oder 3x4 bedeuten.

Es gibt sehr viele Beispiele, die ich anführen könnte, die Ihr Kind daran hindert, mit dem Tempo im Mathematikunterricht mithalten zu können.

Genau an diesem Punkt setzt die integrative Lerntherapie an. Durch standardisierte Testverfahren wird eine mögliche Schwäche diagnostiziert. Eine anschließende, informelle und damit umfangreichere Testung betrachtet das Kind als Ganzes. Das bedeutet, ich prüfe ganz genau, was Ihr Kind schon alles kann und an welchen Punkten die Schwierigkeiten beginnen.  Ihr Kind soll erkennen, dass es trotz anderer Erfahrungen im Schulalltag durchaus Lerninhalte bereits beherrscht. Auf diesen aufbauend setzt die Förderung an. Kleinschrittig, motivierend, spielerisch und wissenschaftlich fundiert werden die mathematischen Bereiche aufeinander aufgebaut.

Hierbei ist der individuell passende Einsatz von Rechenmaterial essentiell. Dadurch erlernt Ihr Kind handelnd das Mengenverständnis und daraus das Verständnis für die Rechenoperationen.

Schritt für Schritt bekommt Ihr Kind damit Werkzeug an die Hand, mit dem es Addition, Subtraktion, Multiplikation oder Division beherrschen kann. Wichtig für Sie als Eltern ist, dass Sie Geduld und Verständnis üben. Eine Lerntherapie wird keinen schnellen Erfolg mit deutlich besseren Noten bewirken. Lerntherapie braucht Zeit, sie arbeitet abseits des Schulstoffes und fördert einzelne Bereiche so lange, bis Ihr Kind es wirklich und sicher verstanden hat. Ihr Kind gibt die Zeit vor und nicht schwer erreichbare Ziele, Lehrplaninhalte oder andere vorgegebenen Strukturen. Das oberste Ziel ist, dass Ihr Kind alle Rechenoperationen hinterfragen, verstehen und anwenden kann. Und an oberster Stelle steht, dass Ihr Kind wieder Erfolge erlebt und den Spaß am Lernen zurück gewinnt.